Montag, 22. Dezember 2008

Welch seltsam Gebräu

Ach so, in Japan war ich ja auch dieses Jahr. Blog-relevant? Ja, war aber zu faul für nen Reisebericht. Ein flickr-Album gibt es Anfang des neuen Jahres, vorher noch zwei Konsumposts, denn die müssen sein, ist schließlich Japan!

Weil ich schon von klein auf eine Vorliebe für Getränke hatte, die nicht jeder Supermarkt im Sortiment hat (was waren die ersten Red Bull Dosen aus Österreich nicht für eine verrückte Sache!), war Japan mit seiner riesigen Angebotsvielfalt und den wirklich omnipräsenten Getränkeautomaten natürlich ein echtes Traumland. Im folgenden schnell zusammengeschnippelten Riesenbild könnt ihr die netten Flaschendesigns bewundern und darunter sind meine Erfahrungen dokumentiert.

japanese drinks

1. Iyemon-Cha (伊右衛門茶)
Wie alles mit einem "Cha" im Namen handelt es sich um Tee, und zwar um die gängigste Variante, den grünen. Hier in seiner kalten Form und wie ich finde ein besonders leckeres Exemplar. Mit dem Kraut, das hier im Westen im Eisteeregal steht und unter "grüner Tee" läuft, hat das japanische Pendant zum Glück wenig gemein. Weniger süß, auf den ersten Schluck vielleicht etwas "wässrig", aber der etwas subtilere Geschmack ist wirklich erfrischend. Für mich ein Dauerbegleiter. Kommt übrigens von Suntory, einem der größeren Getränkeproduzenten des Landes. Kostenpunkt: 150 Yen. Als Bonus bekommt man evtl. ein Plastikmodell eines Zugwaggons. Die kann man natürlich sammeln und sich nen Zug samt Bahnsteig zusammenstellen.

2. Boss Coffee Rainbow Mountain Blend (レインボーマウンテンブレンド)
Ich will ja immer "Rainbow Island..." schreiben, weil ich das grad auf dem Mega Drive spiele. Aber das ist ein anderes Thema. Kalter Kaffee, gibt es ja mittlerweile auch in Deutschland von ein paar Herstellern, jedoch weit entfernt vom Werbekrieg und Wettkampf auf dem japanischen Markt. Ist dort etwas weniger stark gesüßt, dafür ähnlich teuer. Gibt es wie zu erahnen von zig Firmen in zig Varianten, ist ungesund und somit ne tolle Sache. Eine kleine Dose kostet euch am Automaten oder Konbini ca 120 Yen. Die Namen der Brands zeugen von Selbstbewusstsein: Neben Boss (beworben von Tommy Lee Jones) gibt es zum Beispiel auch God Coffee.

3. Meibii (めいびい)
Meibii ist nach meiner tollkühnen Einschätzung eine Mischung der Wörter "meido" (メイド), also "Maid" und "biiru" (ビール), "Bier". Gekauft habe ich das Zeug in Akihabara, Tokyos Elektronik- und Nerd-Viertel, wo auch sonst? Echtes Bier scheint es jedenfalls nicht zu sein, obwohl ich ja die "Erwachsenengeschmack"-Variante (オトナの味) gewählt habe. Schmeckte eher wie zusätzlich gesüßtes Malzbier, was ja auch zu der ganzen süßlichen bis bescheuerten moe-kawaii-meido-Kultur passt. Nen Versuch war es wert. Kostenpunkt verdrängt, schätze so 160 Yen pro Flasche.

4. Wasabi Ramune (わさび・らむね)
Ramune wird ja teilweise auch nach Deutschland importiert, die Limo mit dem spaßigen bis Sauerei-gefährlichen Murmelverschluss und geschmecktem dreifachen Zuckergehalt. Von der Geschmacksrichtung (?) Wasabi war nun das abartigste Getränk meiner Reise zu erwarten, jedoch... schmeckte es ziemlich gleich wie normales Ramune. Eine Enttäuschung.

5. The Premium Calpis (ザ・プレミアム・カルピス)
So, und wer kennt nun hier kein Calpis? Gibt es hier auch schon mal zu kaufen, freilich zu Mondpreisen. In Japan war mein erstes Automaten-Getränk standesgemäß ein Calpis, am ehesten vorstellbar als süßes Joghurtgetränk ohne Joghurtkonsistenz, aber doch zu eigen um es beschreiben zu können. Das Premium-Calpis kostet etwas mehr, wird edler aufgemacht und ist in erster Linie dickflüssiger. Ich fands okay, bleibe aber beim Original.

6. Chichiyasu (チチヤス)
Keine Ahnung, was dieser Name zu bedeuten hat. Das Getränk ist eine süßere Calpisvariante, vielleicht etwas joghurtiger. Als Extra gibt es ein Schwammdingens mit dem man sich laut Anleitung die Fingernägel polieren kann. Ging ganz gut. Die Verpackung find ich ja zuuu niedlich.

7. Soukenbi-Cha (爽健美茶)
Wadoku.de gibt an: "{Tee} Sōkenbicha (Softdrink und Wz. der Coca-Cola Company)." Immer schön, im Nachhinein festzustellen was man zu sich nahm und wo der böse Megakonzern seine Finger im Spiel hat. Ist mal wieder Tee, ich glaube Weizentee, jedenfalls deutlich herber als der andere Kram. Ich fand es ekelhaft gesund-schmeckend.

8. Dakara 0 Style (ダカラ?)
Dakara ist einer dieser eher süßen Isotonikdrinks wie das gute, alte Gatorade. Der Name könnte "Deshalb" bedeuten und auf "karada", "Körper" anspielen, wobei ich mir aber nicht so sicher bin. Zero Style, jetzt noch gesünder, zwinker zwinker. Ich fand es knorke. Suntory, mal wieder.

9. Seicha? (生茶)
Schon wieder grüner Tee, dieser war der einzige den es in der Lobby meines Hotels in Kyoto gab und damit für eine Woche mein Standardtee abends. Gibt auch bessere, aber der Verpackung wegen hab ich ihn trotzdem mit reingenommen: Der Panda bewirbt den großartigen Vorteil dieses Getränks: Schon bevor man sich am Geschmack ergötzen kann, bietet der leichtgängige Drehverschluss Anlass zur Freude.

10. Asahi Super Dry (朝日スーパドライ)
Bier wird in Japan gerne und viel getrunken, was mich angesichts der deutlich höheren Preise dort etwas wundert. Gut ist es aber, das sei hiermit von einem Schreiber bayrischer Herkunft abgesegnet. Im Land der so wichtigen Jahreszeitenbezüge sei auf der Dose nochmal erwähnt: "all year round you can enjoy the great taste of asahi beer!"

11. Uji-Cha (宇治茶)
Wadoku.de klärt wieder auf: Uji ist eine Stadt in der Präfektur Kyôto und für hochwertigen Tee bekannt. Sowohl die hübsche Flasche als auch der wirklich leckere Inhalt wissen zu gefallen. Die Gestaltung hat die Flasche in diesem Fall dem tausendjährigen Jubiläum des Genji Monogatari, eines extrem bedeutenden literarischen Werkes und, je nach Ansicht, ersten Romans der Weltgeschichte, zu verdanken. Das Jubiläum wurde 2008 in Kyôto mit verschiedenen Feiern bedacht. Habe diese Flaschen leider auch nur in einem Teil Kyôtos gesehen, was andererseits bei meinem kurzen Aufenthalt nicht viel zu sagen hat.

12. Fanta Grape (-)
Fanta mit Traubengeschmack. Hat mich nicht überzeugt, extrem süß und künstlich, Gummibärchen in flüssig. Und das geht sogar noch extremer: In kleineren Dosen gibt es eine Fanta-Abart, die man erstmal kräftig schütteln sollte. Ich war mir unsicher, ob ich die Anweisung richtig verstanden hatte und schüttelte eher vorsichtig, denn wer schüttelt schon eine Fantadose? Leider war innen eine Art Wackelpudding, den man wohl durch Schütteln auflösen kann. Astronauten-Fanta oder so, jedenfalls nicht mein Liebling.

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Zuletzt aktualisiert: 5. Sep, 12:45

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