Mittwoch, 25. Juli 2012

Waschen Sie Ihre Vinylscheiben nach der Ghettomethode! Smiths approved!

Neulich im Plattenladen. Irgendwo hinter der dreißigsten Ausgabe der Dire Straits und ominösen 70er Rockbands taucht plötzlich so ein Cover auf: grüner Schriftzug links, rechts daneben vier mal das selbe Foto, auf dem jemand nen Helm trägt. Auf dem steht "Meat Is Murder". Ja, die Smiths! Und die fehlte mir noch, der Zustand sieht passabel aus und alle Platten im Laden kosten genau 8,75€. Obwohl die Smiths-Platten eigentlich in extrem hoher Auflage existieren sollten, habe ich selten eine zum akzeptablen Preis gefunden. Wohl weil jeder zwischen 11 und 99 Jahren die Smiths super findet und jeder grad Omas Plattenspieler vom Speicher holt, weil das in ist. Ist ja auch schön und gut.

Aber hätte ich die Platte mal genauer angesehen, statt sie gleich zur Kasse zu tragen! Die Farbe des einst schwarzen Vinyls ging schon bald ins Graue, ein Teil wirkte regelrecht im Staub gebadet. Naiv mal schnell auf den Plattenteller gelegt und die Kohlefaserbürste drüber gezogen. Klar, hilft nix, es prasselt wie ein Lagerfeuer und Morrissey hat da keinen Bock drauf, weil das stinkt und nachher hat man Ruß in den Haaren kleben und darum geht er hinter nen Hügel und singt von da aus. Klingt blöd.

Als nächstes verbrachte ich einige Stunden in Internetzforen, in denen Leute sich austauschen über 400€ teure Plattenwaschmaschinen, die nur ein Zehntel so teure Billigversion mit dem putzigen Namen "Knosti", und den dazugehörigen Waschmischungen, deren große Alternative ausgerechnet der Glasreiniger der Schlecker Hausmarke sei. Manch einer spannt die Platte auch nachher an seine Bohrmaschine und schleudert sie trocken mit 3000 Umdrehungen pro Minute. So recht will mir das alles nicht gefallen.

Besser klingt da die sogenannte "Cheap Thrill" Methode, die ich direkt noch weiter reduziert habe zur "Ghettomethode" für den geizigen und faulen Plattenfan.

Was man braucht:
- Destilliertes Wasser (kein normales Wasser! die Kalkablagerungen wollt Ihr nicht in den Rillen haben!)
- Isopropyl/ Isopropanol(-alkohol) (70% aufwärts), gibt's in kleinen Mengen in der Apotheke oder in Lebensvorratsgrößen online
- Geschirrtuch oder Muttis teuersten Cashmere-Schal
- gute Haushaltsrolle

Das Geschirrtuch auf eine ebene Fläche gelegt und die Platte drauf. In einem Behälter das destillierte Wasser und den Alkohol mischen, etwa im 50-50 Verhältnis. Bei einer Platte reichen natürlich wenige Milliliter. Wiederum eine kleine Menge auf die Platte geben und mit einem Stück Haushaltsrolle auf der Platte verteilen, so dass alles bis auf das Label schön eingeweicht ist. Nicht zu sparsam sein, das soll richtig in die Rillen laufen! In Laufrichtung noch ein paar mal im Kreis wischen, dann mit einem weiteren Stück diese Bewegung wiederholen zu Trockenzwecken. Das ganze wiederholen für die B-Seite und die Platte an einem möglichst staubfreien Ort zum Trocknen anlehnen für etwa eine Stunde.

Ehrlich gesagt hab ich mir wenig Hoffnungen gemacht, aber zu meinem Erstaunen läuft die Platte hier gerade nahezu knisterfrei. Ich gehe davon aus, dass eine 400€-Plattenwaschmaschine das materialschonender und gründlicher kann, aber wenn man nicht grad reich ist und jeden Monat 50 gebrauchte Vinylscheiben kauft, denkt man darüber wohl kaum nach. Für arg verdreckte Härtefälle tut es die Ghettomethode meines Erachtens auch.

Disclaimer: Nachmachen auf eigene Gefahr! Für Schäden an Mensch und Material wird keine Haftung übernommen.

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