Krachspielzeug

shinse1 Name: Gakken SX-150

Produktart: Analog-Synthesizer

Hersteller: Otona no Kagaku (Magazin)

Preis: 3360¥

In einem Buchladen in Hiroshima durchkämmte ich gerade die Zeitschriftenabteilung auf der Suche nach der aktuellen Studio Voice, als mir ein Stapel roter Kartons auffiel. Offensichtlich war das nicht nur eine Zeitschrift, denn das vorne abgebildete „Extra“ weckte sofort mein Interesse: ein Mini-Synthesizer! Ich vergaß Studio Voice und brachte das 3360¥ teure Paket zur Kasse.

Tatsächlich handelt es sich bei der Publikation um eine Sonderausgabe der Zeitschrift 大人の科学 (Otona no kagaku, „Wissenschaft für Erwachsene“), die sich auf 126 Seiten mit dem Thema Synthesizer auseinandersetzt. Erklärungen der zugrundeliegenden Technik, ein geschichtlicher Abriss der Entwicklung von Synthies und elektronischer Musik, Interviews mit Musikern und auch Texte zu anderen neuartigen „Instrumenten“ im weitesten Sinne fügen sich zu einem sehr schön gestalteten, theoretisch auch informativen Büchlein zusammen. Theoretisch, weil natürlich komplett auf japanisch. Mit dabei ist auch eine Anleitung zum Zusammenbauen des beiliegenden Analogsynthesizers „Gakken SX-150“.

Richtig gelesen, erstmal will das Teil assimiliert werden. Macht aber garnichts, den Lötkolben könnt ihr stecken lassen! Ein wenig Schrauben und Stecken, vier gängige AA-Batterien eingesetzt und fertig ist der kleine Krachmacher. Als Instrument würde man ihn in diesem Zustand kaum bezeichnen können. Töne bekommt ihr durch Kontakt des Stiftes mit dem Metallpanel, per Drehknöpfen manipuliert ihr einige Toneigenschaften wie Attack, Decay oder LFO Rate. Damit lassen sich schon einige Töne erzeugen, nur eben keine tonale Musik spielen. Etwas mehr Abwechslung verspricht das Anschließen einer externen Tonquelle wie etwa dem Mini-Teremin, das der vorhergehenden Ausgabe beilag. Mit anderen Quellen als dieser (ich besitze das Teremin nicht) könnte man allerdings Probleme haben: Der kleine Gakken ist ein gieriger Bursche und verlangt sehr starke Signale, ein Verstärker ist praktisch Pflicht! Aus Mangel des entsprechenden Adapters konnte ich bislang nur versuchen, den Vorverstärker vom Plattenspieler zu zweckentfremden, was ganz gut funktioniert. Wobei es auch hier auf das Signal ankommt, teilweise kriegt ihr nur Rauschen, dann wieder faszinierende Klänge. Macht auf jeden Fall Spaß, wenn man es mal hinbekommt!





Was die Verarbeitung angeht, so fällt zunächst mal der nicht so tolle Lautsprecher auf. Da ihr aber auch eine Output-Buchse habt, stört das nicht groß, zumal der Sound dann erstaunlich gut wird. Etwas billig wirkt das Fehlen eines echten Bodens, lediglich eine Pappscheibe schließt das Gerät unten ab. Dann wiederum stellt sich aber auch die Frage, was man von einem so günstigen Kit erwarten will. Was mir extrem gut gefällt ist, wie bereits in der Zeitschrift zum Modifizieren angeregt wird, unter anderem mit einem Beitrag von Maywa Denki. Diese Förderung der Aneignung von Technologien findet man so explizit nur selten und hat hier auch außerhalb Japans, wie diverse englischsprachige Seiten beweisen, Anklang gefunden. Einige Mods habe ich unten verlinkt. Wer sich dieses nette Spielzeug auch gerne holen möchte, wird z.B. für 55$ noch beim Shop makershed fündig, auf ebay sah man das Teil schon für über 100€ weggehen. Ein Instant-Kult-Produkt sozusagen.

Links:
Offizielle Seite inkl. Videos
Video zur Ext. Source und Audioausgang des SX-150
Button-mod bei "Make Blog"
Video von einem Keyboard-Mod

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Status

Online seit 3926 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 5. Sep, 12:45

Credits

content: Philipp Klueglein 2006-2013
Fonts used: Baskerville, Futura, 'Cardboarder' by kix, 'Frigate True Type Katakana 3D'

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