Japan

Donnerstag, 5. September 2013

Andernorts aktiv

An dieser Stelle der kurze Hinweis, dass ich seit April für die coole Seite JPGames schreibe. Hauptsächlich handelt es sich dabei nur um etwa eine News pro Tag. Aber einen link wert sind mir die drei längeren Artikel, die ich für die Rubrik Culture Slot geschrieben habe:

Lokalisierung in Ost und West: Eine kritische Betrachtung von kulturellen Anpassungen bei der Lokalisierung von japanischen Spielen im Westen und im umgekehrten Fall.

Nakano Broadway, Subkulturen-Paradies: Einer meiner Lieblingsorte in Tokyo, der Nerd-Dungeon!

Wortspiele in japanischen Videospielen: Ein Blick auf Möglichkeiten des spielerischen Umgangs mit Sprache und Schrift in japanischen Spielen, die Übersetzer an ihre kreativen Grenzen bringen.

Dienstag, 20. Dezember 2011

Text, Bild und Aberglaube in japanischen uke-e 有卦絵

Hier mal ein kleiner, wie ich finde ziemlich spannender Blick auf die so genannten uke-e 有卦絵, die in Japan von der Bunka-Zeit (1804-1818) bis zur Bakumatsu-Zeit (1853-1867) in Mode waren. Es handelte sich hier um Bilder, die geneigte Bürger kauften und ihr Haus damit schmückten, um das Glück sozusagen einzuladen. Für Anhänger des onmyôdô 陰陽道 (auch mal als "Weg von Yin und Yang" übersetzt) wechselten sich sieben Jahre des Glücks mit fünf weniger vielversprechenden Jahren ab. Eigentlich besagt der Brauch, sieben Gegenstände zu sammeln, die mit der Silbe fu beginnen: wie ein japanisches Wort für Glück, fuku 福. Damit sich das Glück auch nicht verirrt, stecken die diesem Brauch entsprechenden Bilder voller Symbolik und Schrift, welche jedoch über das Glücksschwein hierzulande in ihrer Komplexität hinausgehen.

Das Bild links (thumbnail)* zeigt eine recht kursive Schreibweise des Zeichens fuku 福. Besser gesagt, die Striche des Zeichens werden durch eine Anhäufung bildlicher Darstellungen erzielt. Die sieben mit fu beginnenden Gegenstände, die hierfür genützt werden, sind:

Beutel (fukuro 袋)、die Fischart Karausche (funa フナ) 、die Pflanzenart Glyzinie (fuji no hana 藤の花), ein Pinsel (fude 筆), ein Brief oder Schriftstück (fumi 文), eine Kürbisflasche (fukube 瓢), und schließlich eine Flöte (fue 笛). Das Bild lässt sich in die Kategorie der yosemono 寄せ物 einordnen, also Bilder, in denen ein darzustellender Gegenstand (oder ein Lebewesen) durch eine Anhäufung vieler kleinerer Gegenstände (oder Katzen, Menschen...) zusammengesetzt wird. In diesem Fall steht das entstandene Schriftzeichen im Vordergrund.


Ein anderes Verhältnis von Text und Bild zeigt ein weiteres Beispiel der glücksbringenden Bilder auf. Hierbei handelt es sich um die Darstellung einer so genannten fukusuke-Puppe (die Silben fuku beinhaltet der Name nicht um sonst) durch den Künstler Utagawa Yoshifuji.

Zunächst ist natürlich auffällig, dass kein Schriftzeichen, sondern eine Puppe dargestellt wird. Hierfür werden jedoch mitunter die Techniken der yosemono verwendet. So zeigen sich bei genauerem Hinsehen auch hier viele Gegenstände, die mit fu beginnen. Die Augenbrauen sind aus Pinseln (fude), während die Augen aus den berüchtigten Kugelfischen (fugu 河豚) bestehen. Als Nase jedoch wird schlichtweg das Silbenzeichen für den Laut aus dem hiragana-Zeichensatz genutzt, nämlich wie zu sehen: ふ. Ein Fall für Fortgeschrittene ist der Text, der in den Falten der Kleidung versteckt, jedoch einigermaßen gut erkennbar ist: kanowo fukusuke かのをふくすけ. Ich vermute, dass es sich um ein kleines Wortspiel handelt, bei dem der fukusuke-Puppe der Nachname Kanô gegeben wird. Eine mögliche Schreibweise für diesen ist 叶, das als Verb kanau gelesen so viel bedeutet wie 'sich erfüllen'. Neben der Technik der yosemono kommt hier noch jene der mojie 文字絵 zur Anwendung, bei der Schriftzeichen zu einem Bild zusammengesetzt werden oder in einem Bild versteckt werden (wie hier in den Falten der Kleidung).


Noch ein Wort zu Kugelfischen und Glück in Form einer gewitzten Sprachspielerei:
「世の中は澄むと濁るの違いにて、福に徳あり、河豚に毒あり」
"yo no naka wa sumu to nigoru no chigai nite, fuku ni toku ari, fugu ni doku ari"
Übersetzung: "In dieser Welt findet sich im Unterschied zwischen Klarheit und Trübung: im Glück die Tugend, im Kugelfisch das Gift" **
Das macht in der Übersetzung nun gar keinen Sinn. Entscheidend ist hier die Ebene der Silbenschrift: aus dem Wort fuku, welches in Silbenschrift als ふくzu schreiben ist, wird mittels zweier Strichlein fugu: ふぐ. Diese kleine phonetische Veränderung nennt man im Bereich der Schrift nigoru 濁る, das Zeichen wird also "getrübt", während es ohne die Strichlein gewissermaßen "klar" (sumu 澄む) ist. So wird mittels des feinen Unterschieds aus dem Glück schnell der Kugelfisch, mit fatalen Folgen, wie uns dieses Sprichwort lehrt: im einen ist die Tugend (toku とく), im anderen das Gift (doku どく).
Übrigens werden in grafisch aufgemachten Schriftzeichen diese Strichlein gerne mit Bildern ersetzt. Doch dazu vielleicht ein andern Mal mehr.

* Bilder aus Inagaki Shin'ichi (1988) Edo no asobie 江戸の遊び絵, Tôkyô Shoeski Verlag
** Beispiel aus Ono Mitsuyasu (2010) Kotoba to moji no yûenchi ことばと文字の遊園地, Shintensha Verlag; Übersetzung durch mich

Mittwoch, 14. Januar 2009

Japan 2008: Fotoauswahl!

Zu meiner dreiwöchigen Japanreise, die sich ab Mitte September 2008 von Tokyo über Kyoto bis nach Hiroshima zog, habe ich eine Fotoauswahl auf flickr zusammengestellt.

nihon08

Fotoalbum Japan 2008 - はじめて日本

Montag, 22. Dezember 2008

Welch seltsam Gebräu

Ach so, in Japan war ich ja auch dieses Jahr. Blog-relevant? Ja, war aber zu faul für nen Reisebericht. Ein flickr-Album gibt es Anfang des neuen Jahres, vorher noch zwei Konsumposts, denn die müssen sein, ist schließlich Japan!

Weil ich schon von klein auf eine Vorliebe für Getränke hatte, die nicht jeder Supermarkt im Sortiment hat (was waren die ersten Red Bull Dosen aus Österreich nicht für eine verrückte Sache!), war Japan mit seiner riesigen Angebotsvielfalt und den wirklich omnipräsenten Getränkeautomaten natürlich ein echtes Traumland. Im folgenden schnell zusammengeschnippelten Riesenbild könnt ihr die netten Flaschendesigns bewundern und darunter sind meine Erfahrungen dokumentiert.

japanese drinks

1. Iyemon-Cha (伊右衛門茶)
Wie alles mit einem "Cha" im Namen handelt es sich um Tee, und zwar um die gängigste Variante, den grünen. Hier in seiner kalten Form und wie ich finde ein besonders leckeres Exemplar. Mit dem Kraut, das hier im Westen im Eisteeregal steht und unter "grüner Tee" läuft, hat das japanische Pendant zum Glück wenig gemein. Weniger süß, auf den ersten Schluck vielleicht etwas "wässrig", aber der etwas subtilere Geschmack ist wirklich erfrischend. Für mich ein Dauerbegleiter. Kommt übrigens von Suntory, einem der größeren Getränkeproduzenten des Landes. Kostenpunkt: 150 Yen. Als Bonus bekommt man evtl. ein Plastikmodell eines Zugwaggons. Die kann man natürlich sammeln und sich nen Zug samt Bahnsteig zusammenstellen.

2. Boss Coffee Rainbow Mountain Blend (レインボーマウンテンブレンド)
Ich will ja immer "Rainbow Island..." schreiben, weil ich das grad auf dem Mega Drive spiele. Aber das ist ein anderes Thema. Kalter Kaffee, gibt es ja mittlerweile auch in Deutschland von ein paar Herstellern, jedoch weit entfernt vom Werbekrieg und Wettkampf auf dem japanischen Markt. Ist dort etwas weniger stark gesüßt, dafür ähnlich teuer. Gibt es wie zu erahnen von zig Firmen in zig Varianten, ist ungesund und somit ne tolle Sache. Eine kleine Dose kostet euch am Automaten oder Konbini ca 120 Yen. Die Namen der Brands zeugen von Selbstbewusstsein: Neben Boss (beworben von Tommy Lee Jones) gibt es zum Beispiel auch God Coffee.

3. Meibii (めいびい)
Meibii ist nach meiner tollkühnen Einschätzung eine Mischung der Wörter "meido" (メイド), also "Maid" und "biiru" (ビール), "Bier". Gekauft habe ich das Zeug in Akihabara, Tokyos Elektronik- und Nerd-Viertel, wo auch sonst? Echtes Bier scheint es jedenfalls nicht zu sein, obwohl ich ja die "Erwachsenengeschmack"-Variante (オトナの味) gewählt habe. Schmeckte eher wie zusätzlich gesüßtes Malzbier, was ja auch zu der ganzen süßlichen bis bescheuerten moe-kawaii-meido-Kultur passt. Nen Versuch war es wert. Kostenpunkt verdrängt, schätze so 160 Yen pro Flasche.

4. Wasabi Ramune (わさび・らむね)
Ramune wird ja teilweise auch nach Deutschland importiert, die Limo mit dem spaßigen bis Sauerei-gefährlichen Murmelverschluss und geschmecktem dreifachen Zuckergehalt. Von der Geschmacksrichtung (?) Wasabi war nun das abartigste Getränk meiner Reise zu erwarten, jedoch... schmeckte es ziemlich gleich wie normales Ramune. Eine Enttäuschung.

5. The Premium Calpis (ザ・プレミアム・カルピス)
So, und wer kennt nun hier kein Calpis? Gibt es hier auch schon mal zu kaufen, freilich zu Mondpreisen. In Japan war mein erstes Automaten-Getränk standesgemäß ein Calpis, am ehesten vorstellbar als süßes Joghurtgetränk ohne Joghurtkonsistenz, aber doch zu eigen um es beschreiben zu können. Das Premium-Calpis kostet etwas mehr, wird edler aufgemacht und ist in erster Linie dickflüssiger. Ich fands okay, bleibe aber beim Original.

6. Chichiyasu (チチヤス)
Keine Ahnung, was dieser Name zu bedeuten hat. Das Getränk ist eine süßere Calpisvariante, vielleicht etwas joghurtiger. Als Extra gibt es ein Schwammdingens mit dem man sich laut Anleitung die Fingernägel polieren kann. Ging ganz gut. Die Verpackung find ich ja zuuu niedlich.

7. Soukenbi-Cha (爽健美茶)
Wadoku.de gibt an: "{Tee} Sōkenbicha (Softdrink und Wz. der Coca-Cola Company)." Immer schön, im Nachhinein festzustellen was man zu sich nahm und wo der böse Megakonzern seine Finger im Spiel hat. Ist mal wieder Tee, ich glaube Weizentee, jedenfalls deutlich herber als der andere Kram. Ich fand es ekelhaft gesund-schmeckend.

8. Dakara 0 Style (ダカラ?)
Dakara ist einer dieser eher süßen Isotonikdrinks wie das gute, alte Gatorade. Der Name könnte "Deshalb" bedeuten und auf "karada", "Körper" anspielen, wobei ich mir aber nicht so sicher bin. Zero Style, jetzt noch gesünder, zwinker zwinker. Ich fand es knorke. Suntory, mal wieder.

9. Seicha? (生茶)
Schon wieder grüner Tee, dieser war der einzige den es in der Lobby meines Hotels in Kyoto gab und damit für eine Woche mein Standardtee abends. Gibt auch bessere, aber der Verpackung wegen hab ich ihn trotzdem mit reingenommen: Der Panda bewirbt den großartigen Vorteil dieses Getränks: Schon bevor man sich am Geschmack ergötzen kann, bietet der leichtgängige Drehverschluss Anlass zur Freude.

10. Asahi Super Dry (朝日スーパドライ)
Bier wird in Japan gerne und viel getrunken, was mich angesichts der deutlich höheren Preise dort etwas wundert. Gut ist es aber, das sei hiermit von einem Schreiber bayrischer Herkunft abgesegnet. Im Land der so wichtigen Jahreszeitenbezüge sei auf der Dose nochmal erwähnt: "all year round you can enjoy the great taste of asahi beer!"

11. Uji-Cha (宇治茶)
Wadoku.de klärt wieder auf: Uji ist eine Stadt in der Präfektur Kyôto und für hochwertigen Tee bekannt. Sowohl die hübsche Flasche als auch der wirklich leckere Inhalt wissen zu gefallen. Die Gestaltung hat die Flasche in diesem Fall dem tausendjährigen Jubiläum des Genji Monogatari, eines extrem bedeutenden literarischen Werkes und, je nach Ansicht, ersten Romans der Weltgeschichte, zu verdanken. Das Jubiläum wurde 2008 in Kyôto mit verschiedenen Feiern bedacht. Habe diese Flaschen leider auch nur in einem Teil Kyôtos gesehen, was andererseits bei meinem kurzen Aufenthalt nicht viel zu sagen hat.

12. Fanta Grape (-)
Fanta mit Traubengeschmack. Hat mich nicht überzeugt, extrem süß und künstlich, Gummibärchen in flüssig. Und das geht sogar noch extremer: In kleineren Dosen gibt es eine Fanta-Abart, die man erstmal kräftig schütteln sollte. Ich war mir unsicher, ob ich die Anweisung richtig verstanden hatte und schüttelte eher vorsichtig, denn wer schüttelt schon eine Fantadose? Leider war innen eine Art Wackelpudding, den man wohl durch Schütteln auflösen kann. Astronauten-Fanta oder so, jedenfalls nicht mein Liebling.

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Zuletzt aktualisiert: 5. Sep, 12:45

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content: Philipp Klueglein 2006-2013
Fonts used: Baskerville, Futura, 'Cardboarder' by kix, 'Frigate True Type Katakana 3D'

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