Musik

Sonntag, 12. Mai 2013

Vinyl and Coffee

sonic cover

„Schwarz und gut“ steht da, denn das eint Kaffee und Schallplatten. Außer, dass nicht jeder seinen Kaffee schwarz trinkt und Platten in allen Farben daher kommen. Hm. Trotzdem, hier ein paar Neuzugänge zur Plattenkiste, die mir heut den Nachmittag untermalt haben. Zum Kaffee schreib ich nichts weiter.

35007 - Liquid

Liquid, das passt grad so gut zum Münchner Wetter an diesem Sonntag. Diese Platte war definitiv der große Fund meines letzten Hamburg-Besuchs. Im dortigen empfehlenswerten Laden Slam stand sie direkt im Blickfeld, 16,90€ für ein gebrauchtes Exemplar. Teuer? Mitnichten, dieses Album ist sowohl auf LP als auch CD seit Jahren vergriffen und ruft gern mal Preise jenseits der 30€ auf. Die Auflage beim deutschen Label Stickman wird nicht so riesig gewesen sein, wenn man bedenkt, dass es sich hier um eine holländische Band aus dem breiten Feld Psychedelic und Space-/ Stoner-Rock handelt.

Aber wie gut die sind! Seit der Panopticon von Isis hat kein Album für mich so sehr die perfekte Mischung hypnotischer Wiederholungen, instrumentaler Vielschichtigkeit und alles niederwalzender Gitarrentsunamis erreicht. Tsunami haben sie auch das erste der vier Stücke getauft und das passt definitiv. Den ersten Ausbruch zwischen den ruhigen Synthieklängen lässt man eher langsam dahinrollen, beim zweiten kommt mehr Noise ins Spiel. Der Dynamikumfang erinnert mich wiederum an das Young Team Album von Mogwai. Zwei mal hat es mich beim ersten Hören von Liquid aus der Sitzposition senkrecht nach oben gehoben ob des plötzlichen Lautstärkesprungs. Zum unbeschwerten Genuss empfehlen sich daher mehrere Hördurchgänge, dann ist man besser vorbereitet.

Wer in irgendeiner Art auf Spacerock und Psychedelic-Gedöns steht, braucht sich wohl nur die ersten Sekunden von Crystalline anhören. Viel besser kann man hypnotisch zirkelnde Gitarrenfiguren und Synthiegeblubber kaum bauen. Und dem Bassist gehört spätestens mit dem abschließenden Voyage Automatique ein Ehrentitel von der NASA angeheftet, während der Schlagzeuger offensichtlich mit CAN aufgewachsen ist. Passend dazu ist das Cover retrofuturistisch gestaltet mit Hinweisen für Besitzer von Mono- und Stereo-Systemen.

Besonders originell ist die ganze instrumentale Mischung zugegebenermaßen nicht, dafür aber höchst erfüllend. Dazu trägt auch der gute Sound dieser Scheibe bei, der eine angemessene Produktion auf einer ebenso guten Pressung vorweist. Mein Exemplar kam samt gefütterter Innenhülle nebst der bedruckten Papp-Innenhülle, aber das könnte auch der Vorbesitzer nachgerüstet haben. Wenn man mal ein Exemplar sieht: unbedingt mitnehmen und die Zeit nehmen, es aufmerksam durchzuhören!


Youth Lagoon - Wondrous Bughouse

Verwirrung pur, dieses Album aufzulegen. Minutenlang war ich mir nicht sicher, ob die Platte nun auf 45 Umdrehungen abgespielt werden sollte, obgleich kein Hinweis diesbezüglich auf Label oder Hülle zu finden war. Doch diese leiernden Töne... sollte das etwa so sein? Ja, das sollte so sein. Im Vergleich zur heimeligen LoFi-Wolldecke des ersten Albums hat man hier einen Gang hochgeschaltet in Sachen Weirdness und auch in Sachen Produktion. Ist man mal durch den ersten verwirrenden Track durch, erfüllen plötzlich majestätisch hallende Gitarren den Raum. Ja, Wondrous Bughouse hat tatsächlich viel Raum, wirft herrlich viel Ideen und Instrumente hinein und dreht dann am Pitchregler.

Dass die Songs dabei auch etwas verstrickter sind, dürfte vor allem der Langzeittauglichkeit gut tun. Eine nicht zu kleine Portion Animal Collective höre ich hier heraus. Zudem hat man sich zumindest teilweise jene leicht hymnische und melancholische Nostalgie erhalten, die so stark auf dem Vorgänger Year of Hibernation lag und ihn zu einer intimen Angelegenheit machte. Auch hier gibt es diese Momente simpler aber magischer Kinderzimmer-Melodien, die einen sofort packen und nach Herbst und Frühling gleichzeitig fühlen lassen. Gleichzeitig hat man es mit wesentlich mehr Abwechslung in Sachen Songwriting zu tun, wobei mir persönlich der starke Einsatz von zerrenden Schwurbeleffekten in wenigen Momenten etwas zu übertrieben erscheint. Aber genug gemeckert, für mich macht das hier den Eindruck eines starken Favoriten fürs Sommeralbum 2013.

Der Platte muss man zugutehalten, dass sie als Doppel-LP für einen akzeptablen Preis samt kostenlosem Download der MP3s angeboten wird. Da verzeihe ich auch, dass die Platte nicht ganz frei von Knacksern ist und die weiche, verformbare Pappe der Hülle das Einstecken der Tonträger manchmal nur mit Krafteinsatz oder durch Aufklappen der Hülle erlaubt. Das Cover in Gatefold-Ausführung ist ohnehin allemal ein Grund mehr für die Vinylvariante. Denkt nur dran: ihr müsst nicht ständig die Geschwindigkeit kontrollieren, wenn grad alles wabert. Das gehört so bei Youth Lagoon.

Mittwoch, 25. Juli 2012

Waschen Sie Ihre Vinylscheiben nach der Ghettomethode! Smiths approved!

Neulich im Plattenladen. Irgendwo hinter der dreißigsten Ausgabe der Dire Straits und ominösen 70er Rockbands taucht plötzlich so ein Cover auf: grüner Schriftzug links, rechts daneben vier mal das selbe Foto, auf dem jemand nen Helm trägt. Auf dem steht "Meat Is Murder". Ja, die Smiths! Und die fehlte mir noch, der Zustand sieht passabel aus und alle Platten im Laden kosten genau 8,75€. Obwohl die Smiths-Platten eigentlich in extrem hoher Auflage existieren sollten, habe ich selten eine zum akzeptablen Preis gefunden. Wohl weil jeder zwischen 11 und 99 Jahren die Smiths super findet und jeder grad Omas Plattenspieler vom Speicher holt, weil das in ist. Ist ja auch schön und gut.

Aber hätte ich die Platte mal genauer angesehen, statt sie gleich zur Kasse zu tragen! Die Farbe des einst schwarzen Vinyls ging schon bald ins Graue, ein Teil wirkte regelrecht im Staub gebadet. Naiv mal schnell auf den Plattenteller gelegt und die Kohlefaserbürste drüber gezogen. Klar, hilft nix, es prasselt wie ein Lagerfeuer und Morrissey hat da keinen Bock drauf, weil das stinkt und nachher hat man Ruß in den Haaren kleben und darum geht er hinter nen Hügel und singt von da aus. Klingt blöd.

Als nächstes verbrachte ich einige Stunden in Internetzforen, in denen Leute sich austauschen über 400€ teure Plattenwaschmaschinen, die nur ein Zehntel so teure Billigversion mit dem putzigen Namen "Knosti", und den dazugehörigen Waschmischungen, deren große Alternative ausgerechnet der Glasreiniger der Schlecker Hausmarke sei. Manch einer spannt die Platte auch nachher an seine Bohrmaschine und schleudert sie trocken mit 3000 Umdrehungen pro Minute. So recht will mir das alles nicht gefallen.

Besser klingt da die sogenannte "Cheap Thrill" Methode, die ich direkt noch weiter reduziert habe zur "Ghettomethode" für den geizigen und faulen Plattenfan.

Was man braucht:
- Destilliertes Wasser (kein normales Wasser! die Kalkablagerungen wollt Ihr nicht in den Rillen haben!)
- Isopropyl/ Isopropanol(-alkohol) (70% aufwärts), gibt's in kleinen Mengen in der Apotheke oder in Lebensvorratsgrößen online
- Geschirrtuch oder Muttis teuersten Cashmere-Schal
- gute Haushaltsrolle

Das Geschirrtuch auf eine ebene Fläche gelegt und die Platte drauf. In einem Behälter das destillierte Wasser und den Alkohol mischen, etwa im 50-50 Verhältnis. Bei einer Platte reichen natürlich wenige Milliliter. Wiederum eine kleine Menge auf die Platte geben und mit einem Stück Haushaltsrolle auf der Platte verteilen, so dass alles bis auf das Label schön eingeweicht ist. Nicht zu sparsam sein, das soll richtig in die Rillen laufen! In Laufrichtung noch ein paar mal im Kreis wischen, dann mit einem weiteren Stück diese Bewegung wiederholen zu Trockenzwecken. Das ganze wiederholen für die B-Seite und die Platte an einem möglichst staubfreien Ort zum Trocknen anlehnen für etwa eine Stunde.

Ehrlich gesagt hab ich mir wenig Hoffnungen gemacht, aber zu meinem Erstaunen läuft die Platte hier gerade nahezu knisterfrei. Ich gehe davon aus, dass eine 400€-Plattenwaschmaschine das materialschonender und gründlicher kann, aber wenn man nicht grad reich ist und jeden Monat 50 gebrauchte Vinylscheiben kauft, denkt man darüber wohl kaum nach. Für arg verdreckte Härtefälle tut es die Ghettomethode meines Erachtens auch.

Disclaimer: Nachmachen auf eigene Gefahr! Für Schäden an Mensch und Material wird keine Haftung übernommen.

Mittwoch, 13. Juni 2012

Manmachine Interface: Old News 5 von Jim O'Rourke

Vielleicht möchte ja mal jemand die Fleißaufgabe übernehmen, für Jim O'Rourke eine website zu erstellen, auf der man alle aktuellen musikalischen Tätigkeiten des hyperaktiven Klangkonstrukteurs verfolgen kann. Seit seinem Abgang bei Sonic Youth und dem Umsiedeln nach Tokyo erscheinen nahezu monatlich, so scheint es, neue Tonträger mit seinem Namen. Live-Kollaborationen mit lokalen Künstlern und internationalen Jazz- und Noiseterroristen, ein Filmsoundtrack, die Fortführung des Fenn O'Berg Projekts und ein Album aus einem einzigen 38 Minuten langen Stück moderner Klassik sind nur ein Ausschnitt aus den Wirren seiner Diskographie der letzten Jahre.

Old News cover Nebenbei hat das Label Editions Mego, bei dem schon andere Neuauflagen seiner elektronischen Ausflüge erschienen sind, die Old News Reihe wiederbelebt. Wo die Teile 1 bis 4 seinerzeit als CD-Rs in winzigen Auflagen kursierten, wirkt die Vinyl-only-Politik der neuen Teile geradezu wie Mainstream. Der Inhalt setzt sich dabei sowohl aus Archivmaterial als auch jüngeren Aufnahmen zusammen, so dass der Titel der Reihe wunderbar passend wirkt. Ich selbst bin noch nicht weiter als zu Nr. 5 gekommen und habe dieser in einem halben Jahr gerade mal einen Hördurchgang abringen können. Nun folgt der zweite.

So, die erste Seite ist aufgelegt. Old News 5 ist eine Doppel-LP, bei der jede Seite jeweils einen langen Track enthält. Pedal and Pedal macht den Anfang, 2010 live aufgenommen in Jims zweitem Wohnzimmer, dem Club Super Deluxe in Tokyo. Klingt erstmal ziemlich nach vintage Synthesizer. Hohe Töne flirren in unvorhersehbaren Bögen durch die Luft. Die Atmosphäre ist einigen ominösen Momenten von Supersilent nicht unähnlich, oder auch jenem Moment, wenn man in Super Metroid zum ersten mal ganz allein die Füße auf einen fremden Planeten setzt, wortlos fasziniert und gleichzeitig auf der Hut. Nach einigen Minuten wird das Höhen-lastige Geschehen versetzt mit neuen Spuren analogen Kratzens, dessen schnelle Frequenz kollidiert mit dem gleichbleibend stoisch langsamen Fiepen. Schließlich werden diese Geräusche runder und weicher, das Chaos ebbt ab. Wir sind zurück im Raumschiff, die Lämpchen leuchten und blinken wohnlich. Energie aufladen, speichern.

Seite 2 abstauben, Nadel absenken... wir sind zurück im Jahr 1992, Chicago: Detain the Man to Whom heißt das Ding. Könnte irgendwie auch aus field recordings zusammengeschraubt sein. Irgendwo brutzelt ein Stromkabel vor sich hin, Wind zieht um knorrige Bäume, der Synthesizer da ist kaputt, Jim! Egal. Darf metallisch rumfuhrwerken. War das ein Zug oder eine Kirchenglocke? Ich glaube, das ist das Gruseligste das ich gehört habe seit einigen Momenten auf f#a#infinity von Godspeed You! Black Emperor, aber ohne Tricksereien wie beigelegtem vom Zug überrollten Penny oder Endzeit-Hörspiel. Sondern abstrakter. Die Maschine läuft, aber sie wird nicht warm, sondern bleibt eiskalt und eröffnet dem Zeugen nicht den geringsten Einblick in ihrer Funktionieren. Die totale Fragmentierung. Man kann ja Autechre oder sowas ein paar mal hören und den Beats halbwegs folgen, die machen ja auch noch Sinn (zumindest bis zum Confield-Album). Ich glaube nicht, dass sich Detain the Man to Whom irgendwem mal auf diese Weise erschließt. Man mag an Monolithen denken.
Ich mag in diesem Zusammenhang auch das Cover sehr gerne (wobei es schade ist, dass die anderen Old News Ausgaben das selbe Cover in Farbvarianten verwenden, irgendwie langweilig). Unüberblickbarer Aufruhr, und ist das ein Akkordeon da drin? So hört sich die Musik an – minus das Akkordeon. Die Platte hat übrigens keine Linernotes, keine Anekdoten, keine Trackliste in dem Sinne. Auf dem Label jeder Seite stehen Titel, Jahr und Ort. Chicago hat seine Realität 1992 nachts gegen eine Maschine verloren, als keiner hinguckte.

Uff, das war heftig. Was weniger Brutales wäre jetzt schon recht. Seite 2 war die Art von Musik, bei der man theoretisch übersehen könnte, dass die Platte auf 45 abgespielt werden sollte (ist nicht so) und man spielt sie jahrelang auf 33 ab, ohne den Fehler zu merken. Vielleicht sollte ich sie mal auf 45 hören, die Maschine einen Gang höher schalten. Aber erst mal die zweite Platte aus der Hülle gefischt...

Seite 3 bringt uns zurück ins Tokyo des Jahres 2010 und in ein Studio: It's Not His Room Anymore. Gewissermaßen wurde mein Wunsch erhört. Während man nicht gerade mit fröhlichem Wohlklang umschmeichelt wird, hält sich die frontale Konfrontation doch in Grenzen. Tief wogende Drones, etwas perkussiv Knarzendes und hin und wieder schief reinflirrende, verwirrte Töne erinnern mich an Ikue Moris dark ambient Ausflüge. Bisher das zurückhaltendste Stück, wobei mich in der zweiten Hälfte dieser nasale Hochton etwas nervt, weil er mich an Mücken erinnert. Die Produktion ist übrigens wie immer super. Gerade hat sich das Drone-Fundament verabschiedet und jetzt fliegt der Rest abermals durch die Gegend, wie es ihm passt. Wer hier irgendwelche Konventionen erwartet, wird enttäuscht sein. Schön durchkomponierte Instrumentalmusik von O'Rourke gibt es auf Bad Timing oder The Visitor; im elektronischen Bereich wirkt I'm Happy... vergleichsweise zahm und melodisch. Übrigens ein ganz tolles Ding, die letztere.

Aber zurück zu den alten Neuigkeiten, wir sind bei Seite 4 angelangt: London 2003, Mother and Who. Draußen fängt es grade an zu regnen. Jetzt noch nen schönen Ambient-Track? Nein! Merzbow kommt einem in den Sinn. Ab der ersten Sekunde das komplette Krachbrett. Nach kurzer Zeit dann bereits gehaltene Hochfrequenztöne, unterbrochen von sonstigen glitchigen Tonknäueln. Kurz darauf eine Weile der erhoffte Frieden und draußen scheint auch wieder Sonne. Motorisierte Tiere rufen in Häuserschluchten nach Artgenossen. Meines Erachtens klar der beste, weil dynamischste Track dieser Sammlung, in dessen Verlauf sich nahezu so etwas wie Melodien an die Oberfläche trauen und den wohl komplexesten Moment formen. Im Grunde wie eine eingeschrumpfte Version vom Oneohtrix Point Never Album Returnal, das ebenfalls mit einer Noiseattacke beginnt und sich im Folgenden eher evokativen Synthlandschaften widmet. Wobei aber Mother and Who weniger in diesem Retro-Zukunfts-Paralleluniversum von Returnal haust, sondern wahrlich in seiner eigenen Welt. Tatsächlich, das war jetzt ziemlich fantastisch!

Der Plattenteller hat seine letzte Runde gedreht, ich höre die Bäume rascheln. Selbst unter Bereitschaft für's Experimentelle, die bei dieser Art von Musik Grundvoraussetzung ist, würde ich wohl empfehlen die beiden LPs in getrennten Hörsessions zu konsumieren. Das klare Highlight ist auf der letzten Seite zu finden, während die Seiten 1 und 3 solide Grusel-Ambient-Kost bieten. Die zweite Seite ist ein interessantes Relikt aus der Vergangenheit, für das man aber eindeutig in der richtigen Stimmung sein muss, um nicht wahnsinnig zu werden.

Donnerstag, 4. Februar 2010

Helden mit Knarzgitarren: Polvo

polvo-today's active lifestyles Polvo - Today's Active Lifestyles

Label: Merge

Spielzeit: 42 min

Polvo ist spanisch für „Staub“ und da passt es irgendwie, dass ich meine erste Platte der Band in einem jener second hand Plattenläden erstanden habe, in denen man nach dem Durchblättern der Tonträger immer einen Staubfilm auf den Fingern hat, und in denen es überhaupt riecht nach Plattenläden: nach Pappe und Staub. Normalerweise finde ich in dem Laden so gut wie nichts, aber an jenem Tag erblickte ich den Namen Polvo, mit dem ich irgendwie gute Assoziationen verband. Es muss wohl daran liegen, dass man öfter im Zusammenhang mit Sonic Youth von ihnen lesen kann, hatten sie doch einen ähnlich experimentellen Gitarrensound. Als ich die Platte, Cor-Crane Secret von 1992, dann zu hause das erste Mal spielte, ließ mich der Song Can I Ride erstarren: das kenne ich doch! Wie so oft in diesen Fällen aus einem ein Skatevideo, das ich wohl mit etwa 15 Jahren gesehen haben musste. Auf einmal steht die Band einem schon näher.

Letzten Monat kam dann mein zweites Album der Band ins Haus: Today's Active Lifestyles von 1993. Beim ersten Durchhören fühlte ich mich zwar durchweg unterhalten (und fing nicht an, nebenbei im Internetz zu stöbern oder mit ähnlichen ablenkenden Handlungen), war vielmehr mit Stirnrunzeln beschäftigt. Vom Debut zum zweiten Album kantiger und undurchsichtiger zu werden widerspricht den musikalischen Standardregeln, aber bitte, ich folge diesen Herren gerne. Der Mathrock-Sticker haftet nun besser auf der angekratzten Oberfläche aus schrägen Gitarrenstimmungen (von denen man nie genug haben kann, die sind wie Käse), Tempowechseln aus der Genre-Formelsammlung (die sie selbst mitgeschrieben haben) und überhaupt einem nun sprungfreudigeren, mobilen Songwriting. Für letzteres sind ja die wiederholten Hördurchgänge da, und siehe dort: Der polvosche Masterplan geht meist auf.

Nicht zuletzt haben sie auch ihre Sensibilität für Indierockperlen mit eingeflochten. Hier erinnert mich vieles an Sebadoh: die gründlich gerupften tollen Melodien, 90er Slackertum, die Stimme sogar, und die Rausch-Rumpel-Produktion, hier von Shellacs Bob Weston, der in diesem Fall entweder nicht die korrekten Mittel hatte oder zu oft mit Noisekumpel und Bandkollege Steve Albini Bier trinken war. Klingt jedenfalls nicht besonders räumlich, eher zusammengepresst und staubtrocken, aber immerhin mit schönem Akzent auf den Gitarren. Wo Polvo doch schließlich eine Gitarrenband sind. Ich will das Rhythmusduo damit nicht abwerten, denn diesen störrischen Gitarreneskapaden hier einen Rahmen zu geben ist sicher auch eine Wissenschaft an sich. Der leicht lethargische Gesang geht unter all dem ohnehin unter, was aber auch mit den Charme des Sounds ausmacht. Zudem haben sie es noch geschafft, Ohrwürmer ohne Refrains zu schreiben und kehren dabei ihre Ideen selbstbewusst unter den Krachteppich, wo man sie dann selbst suchen darf, wenn man sich durch eigentlich unmögliche Arrangements gewühlt hat.

Ein weiterer Vorzug des Albums ist der Abwechslungsreichtum, in dem es seinen schon raketenhaften Vorgänger letztlich aussticht. Am nähesten zu Sebadoh steht sicher das fast klassisch geradeaus gespielte Time Isn't On My Side, akzentuiert mit ein paar knarzigen Elektrobleeps. Auf den Spuren von Slints Spannungsbögen wandeln etwa das grandiose Stinger (Five Wigs) und das finale Gemini Cusp. Lazy Comet flirtet mit Orientalia und trödelt dabei vor sich hin, ehe ein stop-and-go-Rhythmus das Ruder in die Hand nimmt und den Song nach vorne scheucht. Aber eigentlich muss man für die Essenz der Band nicht weiter als zum Opener Thermal Treasure gehen, der sich schön dynamisch durch seine Puzzleteile windet, sich zehn mal selbst resettet, Sägegitarren auffährt und schließlich abraucht. Die Mischung aus frischen Ideen und dem Drang, den vielen Richtungswechseln zu folgen, machen aber ohnehin das ganze Album zu einer wahren Freude mit nur wenigen Momenten, in denen die Spannung beim um die Ecke denken unter den Tisch fällt.

Hochverdiente 8/10 mit Tendenz nach oben

Donnerstag, 5. November 2009

Musikalische Tellerrandexkursionen Pt. 2

Die zweite Runde, diesmal mit Funk und Klassik-Noise!

Maschinenmagie

fennoberg-magic&return Fenn O'Berg - Magic & Return

Label: Editions Mego

Spielzeit: 100 min

Drei Meister ihres Faches setzen sich an ihre Powerbooks und setzen zur Improvisation an. So war das Ende der 90er, als sich Fennesz, Peter Rehberg und Jim O'Rourke damit ganz schön was trauten und gar manches Publikum gegen sich aufbrachten. Zwei Alben sind aus den Live-Improvisationen entstanden, danach war erstmal etwa sieben Jahre Funkstille bei dem beschäftigten Trio. Eine Dekade nach der Veröffentlichung des ersten Albums gibt es jetzt auf dem Editions Mego Label beide Werke im schicken Digipack zusammengefasst mit zwei Bonustracks und damit wohl ein Stück Geschichte der elektronischen Musik, denn heutzutage verwundert ein Laptop-Trio keinen mehr.

Die erste Scheibe The Magic Sounds Of Fenn O'Berg startet mit Shinjuku Baby Pt. 1 und macht gleich deutlich, dass man es hier nicht leicht haben wird. Laptop-Noise plus zerschnippelte Kinderlieder plus ein ausgedehntes Xylophon(?)-Solo lassen nicht viel Raum für Melodien und hinterlassen schließlich den Eindruck einer jener abstrakten Collagen, die einem letztlich garnichts sagen. Shinjuku Baby Pt.2 reitet fünf Tracks später mit 12 Minuten Laufzeit auf der selben Abstraktionswelle inklusive einem Beat von einer scheinbar dauerskippenden CD, der zur Hälfte des Tracks mit diversen anderem Gepolter und Gefiepe eine Eigendynamik entwickelt, ehe sich die Töne verdichten und unter einem Schleier langsam ersticken. In Horst und Snail mit Markus schleichen sich edle Streicher von hinten an vordergründigen Industrialschrott und lassen spacige Synthiewolken vorüberziehen. Gürtel Eins ist dann einer meiner beiden Favoriten. Zu Beginn wird hier recht hektisch mit Samples unter anderem vom Piano umhergeworfen, was mich einmal mehr an die Herangehensweise von Fantomas erinnert, recht disparates Material in einen Zusammenhang zu stecken, in dem es zwischen Dadaismus und Genie sein Zelt aufschlägt. Gegen Ende blitzen aber trotz konstantem Oszillieren, Flirren und Flimmern einige warme melancholische Flächen durch. Der große Lobträger bildet hier den Schlusspunkt: das Fenn O'Berg Theme mit seinen geloopten Streichern und brillant ergänzenden Glockenspiel- und Trompeten-Einsätzen, natürlich alles begleitet von flirrender Geräuschkulisse aus den Chips. Dieser Track zeigt ganz klar die Richtung an, die das spätere Werk einschlagen wird.

Das Problem des ersten Albums ist, dass es letztlich nicht über das Attribut „interessant weil seltsam“ hinauskommt. Selbst nach vielen Hördurchgängen ergibt sich keine tiefere Ebene, kaum staunenswerte Momente, wie sie beim zweiten Album an der Tagesordnung sind, und kaum eine emotionale Qualität. Selbst vergleichsweise unterkühlte elektronische Musik überträgt ja meist noch Emotionen, und sei es durch ihre abweisende Strenge. The Magic Sound ist allerdings aus so vielen Elementen zusammengeschustert, dass man sich schwer tut sich darin einzurichten.

War das erste Album also noch von überbordender Experimentierfreude geprägt, jedoch als Hörerlebnis eine zwiespältige Angelegenheit, so scheinen sich die drei Herren bei ihrem Zweitling besser aufeinander eingespielt zu haben. Das fängt schon bei einer aufgeräumteren Trackliste an mit gerade mal vier Stücken, davon drei aber auch je 10 bis 14 Minuten lang. Lediglich der Opener Floating My Boat gibt sich etwa 5 Minuten zufrieden, lässt aber schon ein strukturierteres, dabei aber umso interessanteres Werk vermuten.

Nach leicht techno-eskem Einstieg bleibt das Teil erstmal in einer Schleife hängen und lässt sich von den üblichen fragmentierten Minimalmelodien und gesampletem zähem Drum-Brei überhäufen, um dann noch eine Minute Godspeed You! Black Emperor Soundscapes zu imitieren. A Viennese Tragedy setzt den Klassikeinschlag fort mit Streichern und sogar einer Akustikgitarre, selbstverständlich mit Betonhighway durch's Orchester und einem Kampf mit dem Digitalzirpen um die Stereokanäle. Die analoge Seite gibt sich vorübergehend geschlagen, ehe am Ende doch wieder Sofas aus staubigen Opernsälen hereingetragen und mit Neon-Farbbeuteln beworfen werden. Die Dynamik der Samples setzt Akzente während an der Oberfläche gehext wird. Riding Again spielt Pong mit leiernden Zweiton-Melodien und schmuggelt einen zerschossenen Beat dahinter, ehe zunächst eine dröhnende Walze die Basis bildet und letztlich auch diese zerfällt und die Klanglandschaft ausgedünnt wird. We Will Diffuse You fühlt sich etwas düsterer an mit einem Gewaber, das sich fast schon als Drone klassifiziert und wie ein 70er Science Fiction Thema in einer unheimlichen zeitlosen Welt schwebt, in die auch die Noisesprengsel bestens reinpassen. Das Ende geht dann auch in die Dark Ambient Richtung, doch wer die hier besprochene Version des Albums besitzt, kann sich von einem ziemlich krachigen Bonustrack nochmal aufschrecken lassen.

Insgesamt gibt sich das zweite Album ein stückweit zurückgelehnter als das erste. Die drei hören sich mehr gegenseitig zu und haben ein beeindruckend stimmiges und tiefes Laptop-und-darüber-hinaus-Monster erschaffen.

Wie so eine Live-Improvisation tatsächlich aussieht und tönt hat mich (auch als Jim-Fan) da natürlich brennend interessiert und zu meinem Glück haben sich die drei Herren nach langer Pause gerade wieder in der selben Stadt wie ich zusammengefunden und ein erstes Live-Set gespielt. Abgesehen von der enttäuschenden Kürze von einer Stunde bei einem nicht gerade niedrigen Preis von umgerechnet 22€ war es ein sehr positives Erlebnis. Natürlich darf man performance-mäßig rein garnichts erwarten. Alle drei sitzen mit unheimlich konzentrierter Miene (kaum ein Blick zur Seite) vor ihren Gerätschaften, hin und wieder dreht auch mal einer ein Knöpfchen oder Fennesz schlägt zwei Saiten auf seiner Gitarre an, das war's. Das Spektakuläre daran ist das Gefühl, direkt bei einer Improvisation dabei zu sein, die genauso gut als Kompositionsvorgang durchgehen könnte. Einige Momente wirkten wahnsinnig stimmig, in anderen gab es wilde Noise-Angriffe, welche für mich fast ein bisschen lustig waren. Da sitzen Publikum und Künstler sich nahezu bewegungslos andächtig gegenüber und in der Luft liegt Krach als ginge die Welt unter, während alle konzentriert lauschen. Nur eine Seite drückt Knöpfe. Die andere staunt.

Video: Ausschnitt des Konzerts vom 24.10.2009

Zurück in die Zukunft

fennoberg-magic&return James Chance and the Contortions - Buy

Label: ZE

Spielzeit: 29 min

Zurück ins No Wave New York der späten 70er Jahre. Zu einem Album, das einerseits genau dem Szene-Zeitgeist musikalischer Destruktion und bedingungslosem Experiment entspricht, andererseits eigentlich auch aus der Genre-permiablen Gegenwart stammen könnte, irgendwo auf einem Liebhaber-Label. Kann diese Platte wirklich 30 Jahre alt sein? James Chance alias James White alias James Siegfried (wie er eigentlich heißt) und seine Band schweißen hier eine unheilige Mischung zusammen, die sich krallt was nicht zusammengehören zu schien und dabei gleichzeitig zukunftsweisend wie einzigartig wurde. Mit seinem Hintergrund als furioser Saxophonist und einer scheinbar grundlegenden angespannten Aggression in den Stimmbändern (die sich auf den Konzerten seinerzeit gerne auf seine Fäuste übertrug), kombiniert er sein Gespür für Komposition mit gezielter Schräglage und stellt dabei mehr Ansprüche an das musikalisches Können seiner Bandkollegen als andere Bands dieser Zeit; stellt nicht alles dem wuchtigen Einschlag hinten an. Er vereinigt black und white music (nicht umsonst hieß die Nachfolgeband James White and the Blacks), ist im modernen freien Jazz genau so zuhause wie in Disco und dem wüsten Funk eines James Brown, oder auch dem hektischen Sound der Talking Heads. Alles gebündelt durch Punkattitüde und die atonalen Querschlägergitarren des no wave.

Was dabei rauskommt ist pures Dynamit, rastlos groovende Songs mit mal unsteten, mal stur gleichförmigen Rhythmen, ungeahnten Ausbrüchen und trotz allem einer tightness, dass man rein garnichts machen kann als gebannt diesen Gestörten hier zuzuhören. Bis auf Anesthetic sind alle Titel im höheren Geschwindigkeitsspektrum angesiedelt, was aber auch eine Täuschung sein könnte weil alles konstant kurz davor ist auseinander zu brechen und durch einen undefinierbaren Sog zusammengehalten wird. Versuchte man das Ganze auf seine Einzelteile zu reduzieren, kämen dabei um die Ecke gewachsene Zahlenbäume raus, im Gesamtbild schlägt man aber lieber Purzelbäume. Buy ist eines der raren Alben, die zwar hörbar nachfolgende Bands inspirierten, gleichzeitig aber einzigartig und vor allem frisch blieben. So handelt es sich schließlich weniger um eine Geschichtsstunde oder Betrachtungen ästhetischer Patina, als vielmehr um ein zeitloses Kraftpaket, dessen Magie man sich auch heute nicht entziehen kann.

Video: Archival footage of James Chance and The Contortions playing in NY

Mittwoch, 30. September 2009

Musikalische Tellerrandexkursionen Pt. 1

oder: In Klangwelten, die noch nie zuvor ein Mensch betreten hat.

In dieser Serie möchte ich Musiker vorstellen, die Schubladen-übergreifend agieren, erfolgreich experimentieren und damit den Horizont erweitern, zumindest meinen jedenfalls. Oder anders gesagt: es geht um die interessantesten Platten, die mir in letzter Zeit (und vorher) so untergekommen sind. Was eigentlich auf alle meine Reviews zutrifft, aber diesmal mit der Extraportion Einzigartigkeit.

Irrgarteninstitution

tortoise-beacons Tortoise - Beacons of Ancestorship

Label: Thrill Jockey

Spielzeit: 43 min

Die Schildkröten aus der Vergangenheitszukunft haben ihren gewohnt eklektischen Jazz-Rock-Entwurf mitgebracht, auf dessen Zeichenbrett mal wieder der Kaffee ausgelaufen ist und der anschließend unter Berücksichtigung der ausfransenden Linien umgesetzt wurde. Kopfhörer werden bei der Einnahme empfohlen, doch möchte man mit einem Song wie Prepare Your Coffin am liebsten doch den gesamten lebenden Umkreis beschallen. Die sich euphorisch heraufschwingenden Gitarrenmelodien blieben mir jedenfalls bei der ersten Sichtung des dazugehörigen sehr schicken Videos sofort im Kopf hängen und erhöhten die Vorfreude auf das erste reguläre Tortoise-Album nach fünf Jahren. So lange höre ich die Band selbst noch garnicht, aber wer mal damit anfängt, kann wie bei Schokolade nicht mehr aufhören.

Bei Tortoise ist das Kombinieren von Musikstilen fast schon modus operandi und Beacons of Ancestorship ist ein herausragend vielseitiges Album geworden. Der Opener High Class Slim Come Floatin' In packt bockig knarzende Synthesizer über unbeständige Schlagzeug-Isotope, holt sogar aus dem Nichts noch einen walzenden Klimax hervor und schlägt allgemein genug Haken um ein eher sperriges Album zu versprechen. Anspruch verkommt jedoch zum Glück hier nie zur reinen technischen, angeberischen Geste. Manches fein schräg angesägtes Detail offenbart sich erst bei sehr aufmerksamen Zuhören. Überhaupt scheint das neue Album nach mehr Aufmerksamkeit zu verlangen als etwa ihr (m.E.) Meisterwerk TNT.

Das äußert sich nur selten unangenehm, wie etwa in Northern Something, einem mutierten Techno-Dingsbums mit aggressiv wabernden Synthies, das genau nach einem der Füller klingt, die die Band nach Eigenaussage später einfügte, um das Album besser als Ganzes funktionieren zu lassen. Zum Glück weist Gigantes dann wieder in weitaus schönere Richtungen, und zwar in mindestens fünf gleichzeitig. Zwischen hallenden und gezupften Gitarren, fallenden und gerupften Beats und irgendwann auch einer orientalischen Nasenflöte (o.ä.) tun sich genug Flächen auf, die Freunden metaprogressiver Rhythmik feuchte Träume bescheren und einen der besten Tracks der Bandgeschichte konstellieren. Glitch-Electronica und Kraut-Orientalia in vollkommener Umarmung, man möchte ihnen die Füße küssen. Penumbra und De Chelly klingen für mich, als hätten Matmos die Musik aus einem 16Bit Videospiel remixt, während Yinxianghechengqi obgleich seines Titels weniger Fragezeichen erzeugt als vielmehr ein stark verzerrtes Postpunk-Ausrufezeichen, das man so etwa auf ihren früheren Alben nie gefunden hätte. Das kann man jetzt gut oder schlecht finden.

In der zweiten Hälfte werden überwiegend ruhigere Töne angeschlagen. Irgendwo zwischen Earths Westernmeditationen auf Hex in doppelter Geschwindigkeit und dem Psychedelic-Totemtanz von Tristeza gibt sich The Fall Of Seven Diamonds Plus One als elegante Diva unter Wasser, ein Oktopus mit hübsch blitzenden Ringen an jedem Tentakel. Hätte so auch gut auf TNT gepasst und ist somit wunderbar. Minors addiert dazu noch eine dubbige Bassline und erleuchtende Keyboardmotive und parkt das Raumschiff direkt in der Disco mit der Drogentapete. Morgens im Zwielicht dann am Monument Six One Thousand sitzen und sich vom grandios nach vorne stolpernden Charteroak Foundation in einen neuen Tag schleudern lassen. So stell ich mir das vor. Eine der innovativsten und besten Bands der Gegenwart.

8/10

Offizielle Bandseite
Video zu Prepare Your Coffin

Mondperspektiven

mori-aspectsofmoon Ikue Mori - One Hundred Aspects of the Moon

Label: Tzadik

Spielzeit: 46 min

Ikue Mori ist eine Komponistin und Perkussionistin, die sich in verschiedensten Musikrichtungen wohl fühlt, diesen aber immer ihren eigenen Stempel aufdrückt. In den späten 70ern war sie in der No Wave Band DNA als Schlagzeugerin aktiv und improvisierte später unter anderem mit John Zorn, ehe sie Mitte der 80er begann, mehrere drum machines gleichzeitig zu nutzen und mit Effektgeräten zu manipulieren, um ihren ganz eigenen Stil zu finden. Dabei stieß sie auch zunehmend in neue musikalische Welten vor und komponierte Ende der 90er ein fünfzehn Stücke (plus Bonustrack) umfassendes Album, basierend auf einer Auswahl von Holzschnitten aus Tsukioka Yoshitoshis Serie One Hundred Aspects Of The Moon (tsuki hyakushi). Mit fünf Gastmusikern und ihren vielseitigen Einflüssen überschreitet sie hier konstant unsere Vorstellungen von westlicher und östlicher Musik sowie von Zugehörigkeiten wie Klassik, Jazz, Kammermusik, Minimalismus, Ambient und experimenteller Avantgarde. Man könnte eine Parallelle zu Yoshitoshi sehen, der mit seiner Imagination, aber auch aus dem Westen übernommenen Maltechniken und Perspektiven-Darstellungen das ukiyo-e revolutionierte, ehe dieses als Kunstform nach ihm praktisch ausstarb. Mori mischt verschiedene Genre-Klänge mit ihrem eigenen Verständnis einer mehr texturierenden als rhythmischen Perkussion und erschafft so etwas Neues aus teilweise alten Formen.

Das Album beginnt mit zwei ineinander überfließenden, düsteren Ambient-Stücken, auf denen ihre Percussion gespenstisch über tief tönenden Flächen raschelt. Schwarze Wolken verdecken den Mond, aus einer Bar tönt ein Bass. Plötzlich gesellt sich fremdartige Vokalakrobatik dazu, mit Monkey Music Moon hat das erste kammermusikalische Stück begonnen. Eine Geige und ein Cello umgarnen sich und steigern die Spannung, lassen sich kurz von einem verirrten Piano vertreiben und setzen dann angeleitet von Moris zerstreuten Beatfetzen zum Gegenangriff an. Bei Musashi Plain Moon wirkt alles noch zerbrechlicher. Obwohl einzelne Themen wiederholt werden, scheinen alle Instrumente von einem anderen Geist besessen. Irgendwo zwischen Cartoon-Musik und -Geräuschen, Zufall und Masterplan wird man konstant auf falsche Fährten gelockt, fühlt sich jedoch gleichzeitig von einer größeren Narrative an der Hand genommen.

Waren die ersten Tracks noch vergleichsweise leichte Kost, folgt mit dem nach einem Haiku betitelten How Noisy The Sound Of Insects Calling In The Meadow As For Me, I Make No Sound But Think Of Love ein Monolog, der im Geiste von Velvet Undergrounds The Gift von scheinbar willkürlichem Geratter und Geflöte untermalt wird und dessen Ende auf den verstörenden Mittelteil des Albums weist. Die folgenden fünf Stücke widmen sich der zunehmenden Abstraktion, vom Horrorambient des Moon Of The Lonely House über Cloth Beating Moon, wo der Liebestanz von Piano und Geige geradezu von Moris brandendem Krachwall zerstört wird. Die folgenden drei Tracks klingen dann auch nach mehreren Radios, auf dem man ständig die Sender wechselt und das ganze auf ein Tape bannt, welches anschließend zerschnippelt wird. Nicht umsonst endet dieser Abschnitt mit einem Stück namens Lunacy. Danach wird es richtig vielseitig. Wir dürfen zurück in den Moon Palace, wo luxuriöse Klassikklänge zunehmend vom free jazz eingenommen werden und Theo Bleckmanns Gesang fast schon eine Musicalnote addiert. Und Glimpse of the Moon will mit gezupften Saiten und seiner Orgel zum Mutantenjam ansetzen, ehe bald leise, minimalistische Tupfer frei stehender Einzeltöne das Album mit Mountain Moon After Rain zu Ende bringen. Der Bonustrack stellt die hier sonst eher sporadischen Drum-Eskapaden von Mori in den Mittelpunkt und zeigt eine greifbarere Variante ihres Songwritings, die mehr im Electrobereich angesiedelt ist.

Ich muss zugeben, dass ich bei dieser Platte nach Worten ringen musste. Dass ich mit mir selbst rang, ob ich dazu überhaupt was schreibe. Denn das hier Gehörte befindet sich doch ein gutes Stück abseits meiner Hörgewohnheiten und scheint nach einem Wortschatz zu verlangen, der erst noch erfunden werden muss. Letztendlich siegte mein Wunsch, auf die Existenz dieses kaum reviewten Albums hinzuweisen. Wer sich mal wieder etwas Frisches, Unverbrauchtes zu Gemüte führen will, wird hier fündig, ohne es gleich mit einer Merzbow-Platte zu tun zu haben. Auch schön ist der inspirierte Hintergrund der Platte. Zwar kann man nicht immer einen direkten Zusammenhang zwischen Bild und Musik feststellen, doch lässt sich in der Stimmung teils eine zusätzliche Dimension entdecken, wenn man sich dem Hintergrund bewusst wird.
Im Alltag fehlt mir noch der Platz und der emotionale Zugang für dieses Ungetüm, es bleibt aber nach vielen Hördurchgängen weiter fordernd, eigen und somit interessant. Daher:

7/10

Ikue Moris offizielle Seite
Komplette Gallerie von Yoshitoshis 100 Aspects of the Moon

Mittwoch, 29. April 2009

Jungbrunnen

Am 23.04.09 spielten Sonic Youth im Haus der Kunst München ein Konzert zu Ehren von Gerhard Richter.

Wie froh ich war, als ich tatsächlich mit meiner Freundin in dem vergleichsweise kleinen Saal stand und langsam realisierte, was mich erwartete! Zuvor hatte man nach der ersten Ankündigung wochenlang auf verfügbare Tickets gewartet, welche dann schließlich online in weniger als einer Stunde ausverkauft waren und nur durch Restbestände am nächsten Tag weniger schnellen Fans noch eine Chance boten. Dabei musste man sich in den alten Gemäuern nicht drängeln, zudem sorgten das durchschnittlich ältere Publikum und praktische Schließfächer für ein noch entspannteres Konzert.

In der ersten Reihe durften wir den fünf (derzeit erweitert um Ex-Pavement Mark Ibold) lebenden Legenden auf der Bühne zusehen, wie sie sich den Gesetzen der Zeit zu widersetzen scheinen. Würde man die Geschichte der Band einen Moment vergessen, so käme man nicht darauf, dass beispielsweise Kim Gordon bereits 56 Jahre alt ist. Im eher knappen Kleid singt sie Jams Run Free, raunt Shaking Hell, tanzt im Kreis. Lee können wir nur im Augenwinkel beim kreativen Bearbeiten seines Gitarren-sammelsuriums sehen, Thurston dagegen steht direkt vor uns, wenn er etwa in 100% den berühmten Drumstick über die Saiten schrubbt. Man hört What We Know vom neuen Album als Weltpremiere genauso wie She Is Not Alone von der allerersten EP. Und als nach einer wortwörtlich umwerfenden Version von Expressway To Your Skull die Gewissheit aufkommt, dass keine zweite Zugabe folgen wird, macht sich ein Gefühl der Trauer, ja des Entzugs breit. Wann sehen wir uns wieder?

青光り
爆音ギター
うれし泣き

thurston

Link zum Fotoset

Update 30.05.09: Mittlerweile ist auch ein vom Haus der Kunst produziertes Video online gegangen, das den ersten Song des Konzerts, 'She Is Not Alone', zeigt. Viel Spaß beim Voodoo-Getrommel!



Quelle: Haus der Kunst Myspace Seite

Donnerstag, 9. April 2009

Polyvinylchloridanschaffungen in Worten und Zahlen

Sholi - s/t

sholi Sholi beweisen mir grade so einiges. Dass hinter tollem Artwork auch ebenso feine Musik stecken kann. Oder dass mir noch Platten unterkommen können, die mir tatsächlich nach längerer Einwirkungszeit neue Perspektiven auf das Gehörte eröffnen. Im ersten Moment scheint Sholi eine Band zu sein, die sich ein wenig um die Ecke gedachten Postpunk à la Minus the Bear schnappt, mit tingelnden Gitarrenlinien der Fugazi-Schule mischt und dazu nen wahnsinnigen Schlagzeuger addiert.

Auch wenn Minus the Bear sich mittlerweile eher in den Gefilden von Pink Floyd nicht unähnlichen Epen bewegen, würde ich Sholi die größere musikalische Vielfalt zugestehen. Und genau die hat mir dank falscher Erwartungshaltung zunächst den Boden unter den Füßen weggezogen. Vieles wirkte weniger rumpelig und energiegeladen als ich mir erhofft hatte, sondern entspannt und, im Sinne der genannten Tanzbären, auch harmonisch. Rückwärts abgespielte Explosionen, trojanische Pferde und Schafe im Wolfspelz fallen mir dazu ein. Beschwichtigende Strophen treffen jedoch schon mal auf stroboskopische Ausflipp-Refrains (Dance for Hours) und melancholische Bruchstücke from outer space (Out of Orbit). Zwischen den wirbelnden Drumsprengseln und schwelgerischem Lamentieren von Any Other God könnte man sich auch in den Honigtiopf gefallene Trail of Dead vorstellen. Dabei im Hintergrund aber immer dieser Alleinunterhalter am Schlagzeug, der sich zwar noch nicht in den abstrakten Sphären eines Jim White bewegt, aber die Mischung doch um manch ungewöhnliche bis herausfordernde Idee bereichert. Für mich als Freund kreativen Drummings eine wahre Freude!

Die große Bandbreite an Emotionen und die aus vielen Passagen zusammengeflossenen (nie -geflickten) Songs erfordern dann mehr Einarbeitungszeit, als man denkt. Und sie lohnt sich. „Nature has a tune for all you lonely fools“.

8/10

Fuck Buttons - Street Horrrsing

fuck buttons Die letztjährigen Pitchfork-Protegés hier mit einem Album zwischen kratzigem Keyboard-Noise, Drone-Epen, geloopten Ambientgebilden und einer handvoll Melodien für die Indie-crowd. Wie ein Forenmitglied mal prophezeite: Damit haben die sich zwischen die szenerelevanten Stühle gesetzt. Für normale Hörer nur Krach und für Dronefans zu pop-affin.

Moment, das hier Pop? In diesem Glauben findet man sich zeitweise, wenn im Opener Sweet Love For Planet Earth die zuckersüßen Keyboardtöne übereinander purzeln. Aber halt auch nur so lang, ehe die Drones immer lauter und länger werden und schließlich extrem verzerrtes Geschrei aus dem Babyfon die oberste Kuchenschicht bildet. Das bleibt aber insgesamt doch schön eingängig. Geht dann direkt über in ein Drumstück, welches leider wie ein schlechteres Experiment der Boredoms klingt. Der Mittelteil der Platte, also B- und C-Seite, widmen sich jeweils einem langen Track und lassen dabei erste Ermüdungserscheinungen aufkommen. Im Vergleich zu den clever an Anfang und Ende gesetzten Album-Highlights wirken die beiden mittigen Stücke rauher, krachiger, leider auch ideenarmer und dadurch langgezogen. Einzig die zweite Hälfte der C-Seite gefällt mir hier ausnehmend gut mit ihren unterschwelligen Melodien, die an Stars of the Lid gemahnen, remixt auf einem kaputten Casio. Die D-Seite wartet dann nochmal mit dem tollen Bright Tomorrow auf, das sich an einem sturen 4/4 Beat entlanghangelt zu einem plötzlich hereinplatzenden Drone-Einsatz, der an klassische Postrock-Muster erinnert. Nicht umsonst wirkte hier neben Shellacs Bob Weston auch Mogwai-Mitglied John Cummings an den Reglern mit. Zu ende wird nochmal die variablere Trommelvariante ausgegraben, aber nach Bright Tomorrow hat sich die Asche ohnehin gelegt und man ist einigermaßen fertig mit den Nerven.

Im großen und ganzen zeigen sich die beiden Herren hier als vielversprechende Impulsgeber, die allerdings manche gefundende Formel noch zu weit auswalzen. Ähnlich wie bei Growing nehme ich mal an, dass sie eine tolle Liveband sind, deren adäquate Umsetzung des gepflegten Dröhnens für das 21. Jahrhundert in Albumform noch aussteht. Vorerst hätte mir wohl eine EP, bestehend aus der A- und D-Seite von Street Horrrsing, besser gefallen. So bin ich ungeschlossen. Daher:

6,5/10

Lymbyc Systym - Love Your Abuser

lymbyc systym Ist zwar schon ein zwei Jahre altes Album, doch neben der letzten Animal Collective (oder Panda Bears modernem Klassiker Person Pitch) fiele mir gerade kein schönerer musikalischer Begleiter für den Frühling ein als dieser Tonträger. Man könnte sagen, er hat schwer zu tragen, obwohl sie es einem doch garnicht schwer machen wollen. Nach eigenen Aussagen verbrateten die Gebrüder Bell hier pro Song gerne mal 25 bis 50 Spuren. Bei so viel schimmernder Vielschichtigkeit wäre Gesang nur desillusionirend und entsprechend gibt es auch keinen.

Rest Easy/ Age Kindly weist in die warme Analoghöhle (Keyboards zuhauf, ein Schlagzeug steht auch drin) mit elektronischer Ausleuchtung, wenn gerade nicht total die Sonne reinknallt. Dem ganzen Album haftet eine Erhabenheit und feierliche Stimmung an, die ich auch in den meist als nordisch-melancholisch verorteten Album Leaf finde. Und siehe da, deren Jimmy Lavelle war hier auch mit von der Partie. Passt perfekt. Die Songs von Lymbyc Systym digitieren aber in ihrem Verlauf mehrfach und können auch polyrhythmisch und überhaupt ziemlich perkussiv teilweise, analog und auch programmiert, wenn ihnen danach ist. Ein Wald fabulöser Fabelwesen, man denkt auch an jene euphorischen (instrumentalen) Momente von Broken Social Scene, oder natürlich an die Heroen des nicht so dramatischen Postrocks, Tortoise. Wenn die Beats wirklich mal exotischer werden kommt mir auch wieder Kelpes letztjähriges Aquariumalbum in den Sinn. Und obgleich all diese Referenzen als naheliegende Eckpunkte erscheinen, liegen Plagiatsvorwürfe fern.

Man kann nur hoffen, dass sie nicht der scheinbar Genre-üblichen Krankheit verfallen, sich am Ende auf drei verschiedene Songmuster festzulegen und dort nach Perfektion zu suchen. Raffinierte, gerade genug zurechtgeschliffene Hemdsärmeligkeit ist ihr Ding.

8/10

Sonntag, 15. März 2009

Gibberish

Let me use this cloudy Sunday afternoon to first drop a few lines about the album that started me blogging in the first place and my personal favourite of all times: Wilco's 'Yankee Hotel Foxtrot'. In the disorientating, unsure beginnings of a new relationship that would become extremely important to me, I discovered the beauty that is YHF. It's been sitting on my shelf for months by then, more or less ignored, and very much suddenly I found myself wondering what the hell is going on on this album. It's intimate, perfectly recorded, creative, moving, disjunctured and beautiful. I know I should stop praising Jim O'Rourkes skills all the time, but when I recently turned to Wilco's 'Being There' album and listened to the first song 'Misunderstood', it seemed so perfectly clear how well the band and O'Rourke work together. The song tries a lot of the noise and breaks that would later be found on parts of YHF, but in the end it sounds like a band deliberately destroying a song. This can be nice at times, but not here. It just feels like a sum of parts. Now on YHF, you never get that feeling. It's always one piece, every sound stays where it ought to be and has developed a friendship with the sounds surrounding it. And I believe Jim helped a big deal here.

Recently I got the newsletter by Flight13, a german record mailorder, which inspired me looking for some new tunes to add to my collection. It was a rather disheartening process. I sure found some cool sounding noisy stuff like the 'Blk Jks' with their totally crazy drummer, the krauty 'Mi Ami' and classic Dischord-style 'Sholi', but it's all just cool, artsy stuff you can like, but probably not fall in love with. I tried last year's 'Fleet Foxes', but they don't reach me. There's not much more depressing than not finding albums you'd absolutely want to have. I really wanted Tujiko's 'Hard ni sasete' and I really wanted the new Animal Collective on vinyl, and they're both pretty good, but I need more, new, creative stuff I might listen to more than ten, twenty times. Still searching.

Right now I'm giving Sonic Youth's classic 'Daydream Nation' a spin, an album that despite being a fan I never understood the fuzz about. For example, I can only like 'Teen Age Riot' on the first spring days. And 'Candle' is nice and all, but oh well... Jutta Koeter's liner notes are really good by the way, when I read them I had to listen to the album immediately. Next month there'll be a concert in Munich and the more I'm realizing this, I start freaking out. Seeing them on the Hurricane Festival in 2007 was a (day)dream come true and seeing them again is this year's highlight for sure. They're also releasing a new album in June. I'm yet a bit sceptic but then again, they just can't disappoint me.

Also getting interested in creative recycling and the likes. Here's some PET jellyfish for my girlfried, who likes... jellyfish.

Mittwoch, 28. Januar 2009

Kaugummikrise

Tujiko Noriko - ハードにさせて

haado ni sasete Tujiko Noriko holds a special place in my music-collection cause she was really the artist that got me into the whole electronic/ downbeat genre, especially its japanese manifestations. Japan has quite an active and interesting scene in that field to be discovered and though not all discoveries might be as original and rewarding as Tujiko was for me, I surely still enjoy browsing the net, in search of that perfect click-clackery beat, warm melancholic soundwaves and those japanese vocals that sometimes still seem so far away to me, though I've long come to understand the bigger part of them and feel slightly embarassed when Tujiko sings that „watashi no o-shiri“-part.

Tujiko is often and unfairly compared to Björk, I guess mostly by music journalists whose knowledge of female artists who have a slightly off-center approach to electronic music and a bit of a mystic space surrounding them doesn't stretch beyond that one icelandic girl. Not to say that my knowledge would that much. Tujiko definitely likes to play with schemes: the nine postcards replacing the booklet on this release show her in casual wear as well as in high heels, show photos of her obviously taken by herself in the bathroom as well as her posing in front of/ on sportscars. You might mistake her singing for shy or reduced at times and part of the lyrics are dreamy images, mostly of going somewhere new (accidental parallel to the german Schlager, but then again to possibly anything written by human beings). Whichever way you might understand (or not understand at all, for that matter) the lyrics, her music definitely never presents a girl unsure of herself or at a loss for words. In contrary, her album "haado ni sasete" discussed here is said to be her most experimental, fragmented piece of work. This is instantly intelligable on the first track, sunahama enjeru ('sandbeach-angel'). As usual, the production has her voice call from afar and whisper to your ear in the next second, at times cutting up voice samples to break them into pieces, just like those poor beats, scattered midair literally like sand. Quite often her songwriting involves looping distorted, dischordant bits to such an extent that it makes them almost sweet, despite the originally rather unusual collection of laptop-sounds or noises. On the first track, she won't make it that easy for you though, resulting in a spectacular yet demanding and probably slightly scary introduction to the album as whole.

Track 2, give face is a lot easier to swallow at first glance but in fact almost ups the weirdness by including raps done by a certain Moyunijumo, who in the beginning sounds like some pervert breathing heavily into a telephone... and remains hard to tolerate for the rest of the track, but that might just be my long-standing discomfort with rap as a whole. Third track hae is also to be found on her collaboration-album with Aoki Takamasa, which made me feel nostalgic for something not even one year old in my personal history. Anyway, both versions derserve to be heard anytime and shown to anyone open-minded you like. Very very lovable stuff here, closer to her more straight-forward later work but more interesting, as in: strange and beautiful, which equals strangely beautiful in my book. I'd like to mention one more track, pengin, which is not only great because it is named 'penguin' and features these fantastic animals in its almost-as-fantastic video I linked below, but also since it brings to perfection the looping songwriting I mentioned above to form some truly spiral-like, hypnotizing image, like M.C. Escher going wild on a glacier. The fact that you can find some soundpieces on this album in her other works gives the whole thing an even more intimate feeling despite the often „cold“ soundscapes. Then again, songs like sen or mugen ressha are just so delicate, they have a folky or ambient feel to them that makes them likeable to those less fascinated by glitches or weird structures.

If you're (like me) a fan of the physical incarnation of music, this one might be a bit tough to dig out since it was released in the west through now-bankrupt Austrian label 'mego' once in 2002 and not (yet?) re-released by the 'éditions mego'-label follow-up. Of course there's still a japanese version out, if you can really get your hands on that one and don't mind the ridiculous pricetag.

Video: Tujiko Noriko - Pengin
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