Urlaub vorm Bildschirm
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Spiel: Nanatsu Kaze No Shima Monogatari (七つ風の島物語) Konsole: Sega Saturn Version: jap. Erschienen: 1997 Genre: Adventure Wertung: 8/10 |
Ich komm ja immer mehr auf den Trip, mir Spiele auszusuchen die mir stimmungsmäßig was bieten und detaillierte 2D-Grafiken haben bei mir sowieso nen Stein im Brett. Kein Wunder, dass dieses feine Adventure den Weg in meine Sammlung finden musste! In Zusammenarbeit mehrerer Entwicklerstudios entworfen und von Enix veröffentlicht, finden wir hier einen weiteren nur in Japan erschienenen Saturn-Klassiker.
Am Anfang war das Ei. Ihr seid live dabei, wenn der Hauptcharakter Garp, eine leicht tollpatschig aussehende Mischung aus Mensch und Drache, das Licht der Welt erblickt und seltsamerweise sofort sprechen, laufen und sowieso alles kann. Oder schläft er in einem Ei? Nun ja, ein schwarzes Wesen fegt euch von der hohen Plattform und Garp pflanzt sich erstmal ein Baumhaus, in dem ihr fortan haust, speichert und ins schlaue Buch guckt. Jenes Buch bietet neben einem tatsächlich ins Spiel integrierten Lexikon auch eine Niederschrift eurer Geschichten, so dass ihr nach längerer Spielpause wieder hineinfindet und nach zusätzlichen Tipps suchen könnt. Ausgehend von hier erkundet ihr die Insel der sieben Winde.
Die Spielewelt ganz kennenzulernen ist für mich in jedem gut designten Spiel einer der größten Reize, und hier wird dies wahrlich zu einem Genuss. Wunderschöne und teil-animierte Hintergründe, die der in anderen Titeln oft vorherrschenden Sterilität ein pralles Leinwand-Leben entgegenstellen, ergänzen sich mit gleichzeitig seltsamen und eigenartig schönen Charakteren. Die Grundstimmung wird oft mit Ghibli-Filmen verglichen und tatsächlich kommt der mysthische Wind, die immer präsente Anderweltigkeit diesem Vorbild recht nah. Da jeder Bildschirm kurz einzeln geladen wird und man erst bei circa zwei Dritteln der Spielzeit eine Art Teleport-Möglichkeit bekommt, ist man in gemächlicher Spielweise geradezu gezwungen, das Spiel wie eine Gallerie von Kunstwerken zu durchwandern. Es liegt sogar eine zweite CD bei, auf der sich jede Menge concept art befindet und die den hohen visuellen Qualitätsanspruch unterstreicht. Umso minimalistischer verhält es sich mit dem akustischen Bereich, in dem oft nur einige Soundeffekte und Variationen des Hauptthemas die Stille durchbrechen. Die überdeutlich hörbaren Schritte stören dabei etwas.
Als Ergänzung zu den eher humor-orientierten westlichen Adventures auf dem Saturn wie Discworld oder Blazing Dragons (noch ein Drache als Hauptfigur) hätte sich Nanatsu Kaze sicher gut gemacht im Westen, so bleibt es mal wieder ein Fall für Schatzgräber. Ein Geheimtipp ist es allerdings nicht mehr, so dass man hier mit etwas höheren Preisen rechnen muss als sonst bei textintensiven japanischen Spielen üblich.
sutereo - 16. Mai, 14:17