Tagträumen auf der Dreamcast
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Spiel: Napple Tale – Arsia in Daydream (ナップルテール) Konsole: Sega Dreamcast Version: jap. Erschienen: 2000 Genre: Jump n Run, RPG Wertung: 8/10 |
Wahrscheinlich liegt es an dem äußerst großzügigen Review des amerikanischen Gamesite-Giganten „ign“, dass Napple Tale im Kreis der Dreamcast-Importe zu den begehrteren Stücken gehört. Oft taucht lange Zeit kein Exemplar auf und wenn, dann löhnt man in der Regel zwischen 40 und 60€ für ein komplettes Gebrauchtes. Steckt dahinter reine Sammlerfreude oder tatsächlich ein lohnender Spaßbringer?
Zum Reiz trägt auch stark die Atmosphäre bei, an der nicht zuletzt der enorm vielseitige Soundtrack der bekannten Komponistin Yoko Kanno beteiligt ist. So saugt einen das Spiel binnen Minuten in eine andere Welt und das leichtfüßige Gameplay wird zum schlichten Genuss. Wie erwähnt gibt es aber auch einen Rollenspiel-Anteil. Die diversen Items, die ihr in den Leveln ergattert, könnt ihr in einem Minigame in „MIS“ genannte Bestandteile zerlegen. Aus diesen MIS wiederum lassen sich „Paffets“, Pokemon-ähnliche Helferlein erstellen, die euch auf der Reise begleiten, im Kampf helfen oder auch nötig sind, um gewisse Stellen zu erreichen. Letztlich musste ich leider feststellen, dass der größte Teil dieser Kreaturen aber eher nutzlos ist und nur zum niedlich Aussehen taugt (auch gut). Des Weiteren lassen sich mit MIS Apparate herstellen, die ihr oft braucht um gewisse Aufgaben zu erfüllen, welche ihr von Dorfbewohnern aufgedrückt bekommt. Die Dorfbewohner trefft ihr teils auch in den Jahreszeiten-bezogenen Leveln in ihrer Jahreszeiten-Facon; wie etwa den Frosch-Bürgermeister im Winter, dem ihr beim Gelingen seines Winterschlafes helfen müsst. Übrigens mittels Eiscreme...
Sogar ganze Level lassen sich mitunter nur durch Interaktion mit den Bewohnern betreten. Für Japanisch-Unkundige bedeutet das an einigen Stellen entweder jede Menge Herumprobieren, oder mal wieder die Nutzung einer Komplettlösung. Mit fortgeschrittenen Kenntnissen ist es aber locker spielbar. Teils nervten mich sogar manche Dialoge durch ihre Länge und Belanglosigkeit ein wenig.
Die fast neun Jahre seit Release sind an dem Spiel nicht spurlos vorübergegangen, schon damals war es wohl kein grafisches Feuerwerk. Dank besagter Grundstimmung fällt das aber weniger stark ins Gewicht und immerhin läuft das Spiel sehr solide bis auf wenige Slowdowns. Gewünscht hätte ich mir etwas mehr Sprachausgabe und auch die Standbildvariante von Vor- und Abspann ist gewöhnungsbedürftig. Jedoch vermute ich kein riesiges Budget hinter dem Titel. Wer nicht mehr als einfach schönes Platforming erwartet und mit ein paar Blicken in die Lösung leben kann, sollte also durchaus nach diesem nicht mehr ganz so geheimen Tipp Ausschau halten und sich von der Napple World verzaubern lassen.
sutereo - 13. Feb, 20:02